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LeSuBiA 2026: Gewalt gegen LSBTIQ* in Deutschland – Zahlen, Analyse und Bedeutung für Prävention

  • Autorenbild: daniloziemen
    daniloziemen
  • 25. Feb.
  • 2 Min. Lesezeit

Die repräsentative Dunkelfeldstudie „Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag (LeSuBiA) 2026“ liefert neue, belastbare Daten zur Gewaltbetroffenheit in Deutschland. Besonders deutlich wird: LSBTIQ*-Personen sind in allen untersuchten Gewaltformen häufiger betroffen als Nicht-LSBTIQ*.

Dieser Beitrag analysiert die zentralen Ergebnisse aus queerer Perspektive und ordnet sie fachlich ein.


Was ist die LeSuBiA-Studie 2026?

LeSuBiA ist eine repräsentative Bevölkerungsbefragung mit 15.479 Personen im Alter von 16 bis 85 Jahren in Deutschland. Der Erhebungszeitraum lag zwischen Juli 2023 und Januar 2025.


Die Studie erfasst unterschiedliche Formen von Gewalt, darunter:

  • psychische und körperliche Gewalt

  • sexualisierte Gewalt

  • Stalking

  • digitale Gewalt

  • Gewalt innerhalb und außerhalb von Partnerschaften


Die Zuordnung zur LSBTIQ*-Gruppe erfolgte anhand von Angaben zu Geschlechtseintrag, geschlechtlicher Selbstzuordnung und sexueller Orientierung.


Gewalt gegen LSBTIQ*: Zentrale Ergebnisse


Die Ergebnisse zeigen konsistent höhere Prävalenzen bei LSBTIQ*-Personen.

Sexuelle Belästigung

  • 58,9 % (LSBTIQ*) vs. 44,0 % (Nicht-LSBTIQ*) – Lebenszeit

  • 39,7 % vs. 24,5 % – letzte 5 Jahre


Sexueller Übergriff

  • 19,5 % vs. 9,8 % – Lebenszeit

  • 6,6 % vs. 2,1 % – letzte 5 Jahre


Stalking

  • 15,5 % vs. 7,9 % – letzte 5 Jahre


Digitale Gewalt

  • 10,6 % vs. 5,5 % – letzte 5 Jahre

  • 16,1 % vs. 8,9 % – Lebenszeit


Die Zusammenfassung der Studie hält explizit fest, dass LSBTIQ*-Personen in allen untersuchten Gewaltformen höhere Betroffenheit aufweisen.



Gewalt findet nicht nur im Nahraum statt


Ein besonders relevanter Befund betrifft den Gewaltkontext: Ein erheblicher Anteil der Vorfälle ereignet sich außerhalb von (Ex-)Partner*innenschaften – insbesondere bei Stalking, sexualisierter Belästigung und digitaler Gewalt.


Das widerspricht der verbreiteten Annahme, Gewalt sei primär ein partnerschaftliches Phänomen. Für queere Menschen sind auch öffentliche und digitale Räume relevante Gefährdungsorte.


Analytische Einordnung: Strukturelle Gewalt und gesellschaftliche Rahmenbedingungen


Die durchgängig höheren Prävalenzraten legen nahe, dass es sich nicht um zufällige Unterschiede handelt. Vielmehr weisen die Daten auf strukturelle Vulnerabilitäten hin, die im Kontext gesellschaftlicher Diskriminierung, Sichtbarkeit und normativer Geschlechterordnungen betrachtet werden müssen.

Besonders die erhöhte digitale Gewalt verweist auf:

  • Online-Hass

  • Outing-Risiken

  • niedrigschwellige Angreifbarkeit in sozialen Medien

Gewalt gegen LSBTIQ*-Personen ist damit nicht nur ein individuelles Risiko, sondern ein gesellschaftliches Problem.


Bedeutung für Prävention und Soziale Arbeit


Für Gewaltschutz, Beratung und Präventionsarbeit ergeben sich klare Konsequenzen:

  1. Gewaltschutzangebote müssen queersensibel gestaltet sein.

  2. Digitale Gewalt darf nicht als Randphänomen behandelt werden.

  3. Prävention sollte Diskriminierungs- und Machtverhältnisse explizit reflektieren.

Die LeSuBiA-Studie 2026 liefert dafür eine empirische Grundlage, die über Einzelfallberichte hinausgeht.


Fazit: LeSuBiA 2026 schafft Datenklarheit


Die LeSuBiA-Daten machen sichtbar, was queere Communities und Fachpraxis seit Jahren berichten: Gewalt gegen LSBTIQ*-Personen ist überdurchschnittlich häufig – und sie ist strukturell verteilt.

Empirische Evidenz schafft Handlungsdruck – in Politik, Prävention und professioneller Praxis.


Quellen: Leitgöb-Guzy, Nathalie; Bieber, Ina (2025): Ergebnisse der Dunkelfeldstudie „Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag (LeSuBiA)“ I: Gewalterfahrungen innerhalb und außerhalb von (Ex-)Partnerschaften. Herausgegeben vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Bundesministerium des Innern, Bundeskriminalamt.


 
 
 

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