Jugendsexualität heute: Was Studien zeigen, wie Jugendliche das Internet nutzen und welche Rolle ChatGPT spielt
- daniloziemen

- 25. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
Was sagt die aktuelle Jugendsexualitätsstudie 2026? Wie nutzen Jugendliche Internet, Social Media und ChatGPT für Fragen zu Sexualität? Ein fachlicher Überblick für Pädagog:innen, Eltern und Fachkräfte.
Jugendsexualität im Wandel – was die aktuelle Studie zeigt
Die neue repräsentative Jugendsexualitätsstudie des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) liefert fundierte Erkenntnisse zur sexuellen Entwicklung von Jugendlichen in Deutschland. Entgegen weit verbreiteter Annahmen zeigt sich: Jugendliche werden heute nicht früher, sondern eher später sexuell aktiv. Befragt wurden 5855 Jugendliche im Alter von 14-25 Jahren.
Nur 2 % der 14-Jährigen geben an, bereits Geschlechtsverkehr gehabt zu haben. Die meisten Jugendlichen erleben ihr erstes Mal erst bis zum 19. Lebensjahr (2019: 17 Jahre). Auch erste intime Erfahrungen wie Küssen treten heute später auf als noch vor wenigen Jahren.
Diese Zahlen widersprechen deutlich dem verbreiteten Bild einer „hypersexualisierten Jugend“ und zeigen, dass jugendliche Sexualität überwiegend verantwortungsvoll, reflektiert und beziehungsorientiert gelebt wird.
Verhütung, Beziehungen und Verantwortung
Ein zentrales Ergebnis der Studie betrifft das Thema Verhütung: Nur 6 % der Jugendlichen verhüten beim ersten Geschlechtsverkehr nicht. Die große Mehrheit plant ihre ersten sexuellen Erfahrungen bewusst und innerhalb stabiler Beziehungen.
Sexualität wird von Jugendlichen weniger als Leistungs- oder Statussymbol verstanden, sondern mit Nähe, Vertrauen und emotionaler Sicherheit verbunden. Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung kontinuierlicher und qualitativ hochwertiger sexueller Bildung.
Das Internet als wichtigste Informationsquelle für Jugendliche
Ein entscheidender Faktor in der heutigen Jugendsexualität ist die Nutzung digitaler Medien. Das Internet ist für Jugendliche- neben den Eltern und der Schule die zentrale Informationsquelle bei Fragen zu:
Pubertät
Körperentwicklung
Verhütung
sexueller Orientierung
Beziehungen und Gefühlen
Suchmaschinen, Social Media und Videoplattformen bieten schnellen Zugang zu Informationen, ermöglichen anonyme Recherche und senken Hemmschwellen. Gleichzeitig variiert die Qualität der Inhalte stark – von fundierter Aufklärung bis hin zu problematischen Darstellungen.
ChatGPT & KI: Neue Wege der sexuellen Aufklärung?
Zunehmend nutzen Jugendliche auch künstliche Intelligenz wie ChatGPT, um Fragen zu Sexualität, Beziehungen oder körperlicher Entwicklung zu stellen. KI-basierte Angebote bieten rund um die Uhr verfügbare Informationen und erlauben es Jugendlichen, auch heikle Themen anonym anzusprechen. So geben ca. 15% der Befragten an, ChatGPT und andere Sprachmodelle als Informationsquelle zu nutzen.
Gleichzeitig ersetzt künstliche Intelligenz keine pädagogische Beziehung. Sie kann Wissen bereitstellen, aber keine individuelle Einordnung, emotionale Begleitung oder ethische Orientierung leisten. Für eine gelingende sexuelle Bildung braucht es weiterhin sprechfähige Erwachsene, die bereit sind, Fragen offen, wertschätzend und fachlich fundiert zu begleiten.
Was bedeutet das für Eltern, Fachkräfte und pädagogische Praxis?
Die Studienergebnisse zeigen klar:Jugendliche benötigen keine stärkere Kontrolle, sondern verlässliche Begleitung. Entscheidend sind:
eine offene Gesprächskultur
professionelle Haltung
fachlich fundierte Informationen
Medienkompetenz und Reflexion
Sexuelle Bildung ist damit ein zentraler Bestandteil von Prävention, Beziehungsarbeit und Persönlichkeitsentwicklung. Sie unterstützt Jugendliche dabei, eigene Grenzen wahrzunehmen, Verantwortung zu übernehmen und selbstbestimmte Entscheidungen zu treffen – online wie offline.
Fazit: Mehr Vertrauen, weniger Moralpanik
Die aktuelle Jugendsexualitätsstudie macht deutlich: Die verbreitete Angst vor einer „entgrenzten Jugendsexualität“ hält einer empirischen Überprüfung nicht stand. Stattdessen zeigt sich eine Generation, die Sexualität achtsam, verantwortungsvoll und zunehmend reflektiert lebt.
Die Aufgabe von Erwachsenen liegt darin, diese Entwicklung kompetent zu begleiten, Orientierung zu bieten und Räume für offene Gespräche zu schaffen – auch im digitalen Zeitalter.




Kommentare