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Zwischen Schutz und Ermöglichung – warum Haltung in der Sexualpädagogik entscheidend ist

  • Autorenbild: daniloziemen
    daniloziemen
  • 20. Jan.
  • 2 Min. Lesezeit

Dürfen Kinder und Jugendliche das – oder müssen wir eingreifen?


Diese Frage begegnet mir in Fortbildungen, Seminaren und Fallbesprechungen mit Fachkräften der Kinder- und Jugendhilfe immer wieder. Und fast immer steht sie stellvertretend für ein größeres Spannungsfeld: das Spannungsfeld zwischen Schutz und Ermöglichung.

Sexualpädagogische Praxis bewegt sich selten in klaren Schwarz-Weiß-Kategorien. Viel häufiger geht es um Situationen, die irritieren, verunsichern oder ambivalent sind. Um Verhaltensweisen, die Fragen aufwerfen, ohne sofort eindeutig eingeordnet werden zu können. Gerade im Umgang mit kindlicher und jugendlicher Sexualität zeigt sich, wie sehr pädagogisches Handeln von inneren Haltungen geprägt ist.


Wissen hilft – Haltung entscheidet

In vielen Teams erlebe ich hoch engagierte Fachkräfte mit viel Erfahrung und Fachwissen. Und trotzdem bleibt Unsicherheit. Nicht, weil Wissen fehlt, sondern weil die Haltung im Team nicht ausreichend geklärt ist.


Haltung entscheidet darüber,

  • wie wir Verhalten bewerten,

  • wann wir eingreifen und wann wir begleiten,

  • wie wir Grenzen setzen,

  • und wie sicher wir uns im Team fühlen.


Methoden, Leitfäden und Konzepte sind wichtig. Sie geben Orientierung und Struktur. Doch ohne eine reflektierte, gemeinsam getragene Haltung bleiben sie oft wirkungslos – oder werden sehr unterschiedlich ausgelegt.


Haltung zeigt sich im Alltag

Haltung ist nichts Abstraktes. Sie zeigt sich ganz konkret im pädagogischen Alltag:

  • in der Sprache, die wir verwenden,

  • in der Art, wie wir reagieren oder auch nicht reagieren,

  • in unseren Entscheidungen in herausfordernden Situationen,

  • und im Umgang mit eigenen Unsicherheiten.


Gerade bei sexualisiertem oder grenzverletzendem Verhalten von Kindern und Jugendlichen wird deutlich, wie wichtig es ist, Ambivalenzen auszuhalten. Zwischen Schutzauftrag und Entwicklungsbegleitung gibt es selten einfache Lösungen. Professionelles Handeln bedeutet hier nicht, sofort die „richtige“ Antwort zu haben, sondern die Situation gemeinsam zu reflektieren und verantwortungsvoll zu begleiten.

Sexualpädagogik als gemeinsame Aufgabe

Sexualpädagogik ist keine Zusatzaufgabe und kein Spezialthema für Expert*innen. Sie ist Teil des pädagogischen Alltags – ob in Kita, Wohngruppe, Schule oder Erziehungsstelle.


Umso wichtiger ist es, dass Teams sich Zeit nehmen, ihre Haltungen zu klären:

  • Was verstehen wir unter kindlicher und jugendlicher Sexualität?

  • Wo sehen wir Entwicklungsräume, wo Schutzbedarfe?

  • Wie gehen wir mit Unsicherheit um – individuell und als Team?


Sexualpädagogische Professionalität zeigt sich nicht darin, auf alles sofort eine Antwort zu haben. Sie zeigt sich darin, Fragen gemeinsam auszuhalten, Verantwortung zu teilen und sich immer wieder reflexiv mit der eigenen Praxis auseinanderzusetzen.


Oder anders gesagt:Haltung ist kein Zusatz zur Methode – sie ist ihre Voraussetzung.

 
 
 

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